Bettina Ruhrberg

Der phantastische Bildkosmos der diesjährigen Kaiserringstipendiatin Stella Förster versetzt den Betrachter in fassungsloses Erstaunen. 

Wie aus einem unerschöpflichen Füllhorn sammelt die Künstlerin Flaschen, Gläser, Parfümflakons, Fächer, Schalen, Federn, Trichter, Ketten, Schuhe, Äste, Girlanden, Styroporkugeln, Schläuche oder Antennen, um nur einige Alltagsobjekte zu nennen, die sie in überbordenden Installationen neu arrangiert. Dekor - Kitsch und Haushaltsrelikte finden sich darin ebenso wie Verweise auf archaische Kulturen, beispielsweise Knochen, Masken und Felle. All das breitet sich über Wände, Böden und Decken aus, behauptet sich in allen Ecken und Winkeln und lehrt und die im Alltag oft verloren gegangene Achtsamkeit vor den nutzlos gewordenen Dingen unserer Wegwerfkultur. Im Prozess der künstlerischen Transformation, in dem Stella Förster die Gegenstände in bizarren Kombinationen neu zusammenschweißt, verwandeln sich die Artefakte in eine Traum- und Albtraumwelt zwischen skurriler Schönheit und bedrohlicher Unheimlichkeit.

Die glitzernde Bildwelt von Stella Förster ist mehrfach mit einer barocken Wunderkammer verglichen worden. Dort zeigte man seinerzeit in großer Fülle außergewöhnliche Naturalien wie Straußeneier, Korallen, Fossilien, Muscheln, ungewöhnliche Tierarten oder Exotika - in exquisiten Handwerk eingebettet. Die seltenen Schätze fesselten auch damals die Aufmerksamkeit der Betrachter und versetzten sie in fragende Verwunderung. Das Staunen, das wir beim Anblick des betörenden Universums von Stella Förster empfinden, gleicht darüber hinaus der Erregung, wie sie u.a. die Lektüre von Lewis Caroll`s Alice im Wunderland in uns hervorruft: Literatur, in der wir eine uns unbekannte Welt entdecken. Der türkisfarbene Hase in der Ausstellung von Stella Förster verweist auf das berühmte Kinderbuch. Das Staunen, dem zuweilen der Beigeschmack des Populären oder Kindischen anhaftet, hat aber auch kognitive und aufklärerische Eigenschaften - was häufig vergessen wird.

Es geht dabei um Fühlen und um Wissen. Staunen kann Ausgangspunkt für Denken und Erkennen sein. Im Affekt des Erstaunens sah Aristoteles den "Anfang des Philosophierens". Hier hat auch die wissenschaftliche Forschung ihren Ursprung. Die Begegnung mit dem Unerwarteten, dem Fremden, dem Erstaunlichen, löst den Impuls aus, das Unverständliche begreifen zu wollen und kann dazu führen, ungewöhnliche Wege zu beschreiten und Veränderungen zu wagen.

Bei aller Beschwörung des Phantastischen und Wunderbaren gibt es bei Stella Förster immer einen Bezug zu unserer aktuellen Wirklichkeit und zu den Problemen unserer Zeit. So hat sich die Künstlerin intensiv mit der zunehmenden Verschmelzung von Mensch und Technik im Zuge der rasanten Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz auseinandergesetzt. Wird es eines Tages Maschinen geben, die nicht nur wie Menschen aussehen und sich bewegen, sondern die auch denken und fühlen ?

Welche Religionen werden sie anhängen oder welche Synkrethismen werden sie entwickeln und daran glauben?

Wird es die monotheistischen Religionen dann noch geben? Und wird es überhaupt noch biologische Geschlechter geben, oder werden sich die Maschinen selbst reproduzieren? Welches Weltbild und welches Gesellschaftssystem werden sie wohl entwickeln? Und werden sie dabei alle uns bekannten Systeme überwinden?

Stella Förster vermittelt uns, Ihrer eigenen Aussage nach, in ihren Installationen ein "synkretistisches Weltbild", in das sie Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen einfließen lässt - aus verschiedenen Religionen, Philosophie, Psychologie, Alchemie, Zukunftsforschung, Science-Fiction, Literatur und Astrologie. Die geistige Durchdringung ihrer Kompositionen spricht sie von jeglichem Dekorationsverdacht frei.

Inwieweit Stella Försters Bildräume uns einerseits das "Aroma einer Welt" spüren lassen, "dass uns noch aus Kindertagen vertraut ist" und wie sie andererseits "beeindruckende Bedeutungsfelder... im Netz der Bezüge" herstellen, beschreibt Andreas Bee in seinem Aufsatz. Wir danken ihm sehr für seinen einfühlsamen Text. Ebenso aufschlussreich hat Lorenz Liebig "die raumgreifenden Bildwelten" der Künstlerin als "Chimären mit überbordendem Assoziationspotenzial" beschrieben.

 


Andreas Bee

Über die polyvalente Kunst von Stella Förster

1. Formwandler

Schon nach einer flüchtigen Inspektion der Ausstellung von Stella Förster weiß man, dass sich Liebhaber klarer Verhältnisse an diesem Werk die Zähne ausbeißen werden. Hier, so vermuten wir, kann sich bald alles wieder wandeln und manches von dem, was wir vor Augen haben, ist von derart fragiler Natur, dass es wohl nur im Grenzland zwischen Fantasie und Wirklichkeit eine Chance hat zu bestehen. Die Kräfte, die das Feld als Ganzes verströmt, sind dennoch erstaunlich und kaum berechenbar, und die hohe, spezifische Energie, die von dem Ensemble ausgeht, teilt sich auch jenen mit, die es lieber eindeutig hätten. So wie das große Ganze die Momentaufnahme in einem noch lange nicht abgeschlossenen Prozess zu sein scheint, so vermitteln auch die einzelnen Formen und Gestalten den Eindruck, als seinen sie grundsätzlich reversibel. Jede Erscheinung könnte, so spekulieren wir, sich bald in eine andere verkehren, ohne ihren Charakter zu verlieren. Überall scheint der Formenwandel noch im Gange zu sein. Insgesamt erinnert das, was Stella Förster uns präsentiert, an jene Vorstellung, die Ovid im wunderbaren Monolog des Pythagoras aus dem 15. Buch der Methamorphosen umschreibt :

 

Alles wandelt sich, nichts vergeht. Es schweift unser Geist, kommt hierher von dort, von hier dorthin, und dieser und jener Glieder bemächtigt er sich, geht über aus Tieren in Menschenleiber und wieder in Tiere, und niemals geht er zugrunde. Wie das schmiegsame Wachs sich formt zu neuen Gebilden, so nicht bleibt, wie es war, die gleiche Gestalt nicht behält, und doch das selbe verbleibt, so lehre ich, ist auch die Seele immer die selbe, doch wandert sie stets in neue Gestalten... Und, da auf hoher Flut es mich trägt, ich dem Winde die vollen Segel vertraut: es ist nichts in der ganzen Welt, was Bestand hat.

 

2. Die dinge singen hören

Um ein Bild in seinen Besonderheiten zu erleben, benötigen wir eine Form des Wissens, die das Eigentümliche des Werkes im Akt des Betrachtens anerkennt und wahrt, eine Form, die das Bild nicht zu erklären und sein Geheimnis nicht zu beseitigen versucht. Denn das, was ein Bild letztlich ausmacht, ist eben nicht das, was sich in Worte fassen lässt, sondern etwas, das sich zunächst einem auratischen Spüren offenbart. Wenn wir also über Bilder sprechen, dann sollten wir uns im Klaren darüber sein, dass wir sprechen und damit auswählen und dass die sprachliche Form nur eine der vielen Seiten dessen ist, was wir Wahrheit nennen. Den Dingen mit Grobheit, Selbstgefälligkeit und ohne Respekt zu begegnen verdirbt die Sache bekanntlich schnell. Rilke war sich der Möglichkeit und Gefahren, die im Sprechen über die Dinge liegt, schon als junger Dichter bewusst:

 

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.

Sie sprechen alles so deutlich aus;

Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,

und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

 

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,

sie wissen alles, was wird und war;

kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;

ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

 

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.

Die Dinge singen hör ich so gern.

Ihr rührt sie an: Sie sind starr und stumm. 

Ihr bringt mir all die Dinge um.

 

Doch so wie Rilke trotz seiner Bedenken ja gesprochen und nicht geschwiegen hat, so sollten auch wir uns nicht abhalten lassen, wenigstens den Versuch zu unternehmen, uns gegenseitig ein wenig von dem  zu erzählen, was wir in den Bildräumen und durch die einzelnen Arbeiten von Stella Förster erlebt haben oder meinen erleben zu können. In solchen Erzählungen sind allerdings Erklärungen nach dem Muster einer Gebrauchsanleitung fehl am Platz. Denn diese Kunst behauptet nicht, dass etwas so ist oder so ist oder sein sollte, sondern sie vermittelt vielmehr eine eigene Sicht auf die Welt, auf das, was sie ist oder sein könnte. "Das Schöne an der Kunst ist doch, dass man sie gar nicht verstehen muss, sie nicht verstanden werden will. Sie ist einfach da, weil jemand sie in die Welt gesetzt hat. Die Frage, " Was soll das bedeuten?", ist die falsche Frage. Das Schöne an ihr ist ja grade, kein Plädoyer für ein leeres Làrt pour làrt. Nein. Nur hat die Bildende Kunst keinen Gebrauchswert - Sie hat einen Preis. Das wissen wir und dass dieser genauso irrational ist wie das Werk selbst, das wissen wir auch. 

Ob sie aufklären muss? Schon da gehen die Meinungen auseinander. Aber dass sie mehr sein sollte als in Vitrinen aneinander gereihte Dokumente, Filmdokus oder alltägliche Fotos von alltäglichen Straßenecken, mit denen gesellschaftlich nur allzu bekannte Missstände bebildert werden - darauf bestehe ich.

3. der zweimal verschwindende Rahmen

Für mich geht von diesen raumgreifenden Bildern, diesen Arrangements eine Anziehung aus, die es mir leicht macht, die eigenen Wirklichkeitsbezüge eine Zeit lang zu vernachlässigen und den dargebotenen Raum der Kunst zu betreten. Was lockt, ist das Aroma einer Welt, die mir noch aus Kindertagen vertraut ist. Försters Bilder öffnen einen Kanal in jene Zeit, als Wünschen und Träumen noch geholfen hat. Sie verströmen eine Atmosphäre, die aus einer anderen, einer leichteren, unbeschwerten, fantasievolleren Sphäre zu stammen scheint. 

Wird eine solche Anziehung erst einmal wahrgenommen, dann wollen wir meist tiefer in die dichten und überbordenden Konstellationen hinein. Wer sich auf dieses Abenteuer einlassen kann und einsteigen möchte, der tut gut daran, möglichst alles zu vergessen, was ihn normalerweise bestimmt, vielleicht sogar, was er war und was er ist. Bloß vergessen darf er nicht, dass er das Werk nicht nur einmal betritt, sondern das er den vorhandenen oder imaginären Rahmen des Bildes jeweils zweimal durchschreiten muss. Sonst ist er verloren, wie jener chinesische Kunstliebhaber, der sich derart intensiv in eine gemalte Landschaft vertiefte, dass man seither nie mehr etwas von ihm gehört hat.

Nur wenn wir das Bild betreten und auch wieder verlassen, können wir die Erfahrung, die wir innerhalb dieser künstlichen Welt gemacht haben, mit in die eigene nehmen und davon berichten. Das gilt auch für den Künstler, der, solange er arbeitet, im Bild ist und sich hier nicht verlieren darf, wie Frenhofer in Balzacs berühmter Novelle, der es maßlos übertrieben hat mit der Versenkung in sein Metier und deshalb am Ende an seinen eigenen Obsessionen zerbricht. 

Stellan wir uns also vor, wir steigen wie ein Einbrecher durch ein Fenster in den hier dargebotenen Raum der Kunst ein. In dem Augenblick, wo wir die Schwelle überschreiten, wo wir die Seiten wechseln, verschwindet der Rahmen zum ersten Mal. Befinden wir uns im Bild, dürfen wir für eine Weile vergessen, woher wir kamen. Ja, wir sollten sogar für kurze Zeit ganz und nicht nur mit den Augen aufgehen in der künstlichen Sphäre, die uns beinahe real erscheinen wird. Lange verweilen können wir im Bildraum in der Regel allerdings nicht. Denn früher oder später ruft uns die Realität wieder zurück. Wir steigen abermals durch das Fenster, durch das wir kurz zuvor eingestiegen waren. Und nun verschwindet - mit dem Ausstieg aus der künstlichen Welt und dem Wiedereinstieg in die reale Welt - der  Rahmen zum zweiten Mal.

Zurück in der sogenannten Realität, bleibt uns eine mehr oder weniger klare, manchmal aber auch diffuse Erinnerung an das, was wir im Bildraum erlebt haben. Diese Erinnerung, wie stark oder schwach sie auch sein mag, ist deshalb so wertvoll, weil sie uns helfen kann, den alltäglichen Stumpfsinn zu ertragen. Auch den von monokausalen Argumentationssträngen, denn ihnen bietet Stella Förster mit ihrer Arbeit ganz offensichtlich die Stirn. Ja, es will mir so scheinen, als könne sich die Bedeutung der Ausstellung überhaupt erst in der Würdigung der Komplexität erweisen. Förster konstruiert beeindruckende Bedeutungsfelder, wie wir sie beispielsweise aus überbordenden Schreinen voller wundertätiger Reliquien in barocken Kirchen kennen. Hier wie dort wirkt alles zusammen und verweist nur noch schemenhaft auf die Folie einer Heilslegende oder Botschaft. Erst im Netz der Bezüge ereignet sich also das, was wir in Ermangelung eines anderen Begriffs Bedeutung nennen.

 

 

4. wohltuend ambivalent

Gehen wir wieder einen Schritt zurück und betrachten Ausschnitte dieser Arrangements, dann erkennen wir, dass sie voll wohltuender Ambivalenz sind. Sie sind hell und dunkel, oberflächlich und tief, anziehend und abstoßend, stimulierend und deprimierend zugleich.

In Försters Skizzenbuch, das in den Wochen vor dieser Ausstellung entstand, finden sich neben Materiallisten und Konstruktionszeichnungen Gedankenfetzen ganz ähnlicher Art, auch doppelbödige Wortfolgen, die sich wie Regieanweisungen lesen. Da ist zum Beispiel die Rede von installativer Malerei und malerischer Bildhauerei, da wird von einem Selbstmordwald gesprochen und vom Hyper-Kitsch. Es gibt Hinweise auf die Beschäftigung mit der Heisenberg`schen Unschärferelation oder auf den Philosophen Karl Popper, der der Meinung war, dass grade unser Versuch, die Erde in ein Paradies zu verwandeln, dafür verantwortlich ist, dass wir sie zerstören.

Insgesamt erscheint die Ausstellung wie ein großer Beleg für die Existenz jenes berühmten Möglichkeitssinns, von dem Robert Musil sprach und den er aus der Existenz des Wirklichkeitssinns ableitet. Denn die Künstlerin will, wie alle mit diesem Sinn begabten Menschen, gleichsam den Wald, wo die mit dem bloßen Wirklichkeitssinn behafteten Betrachter nur die Bäume sehen. Der Wald aber, schrieb Robert Musil, das ist etwas schwer Ausdrückbares, wogegen Bäume soundso viel Festmeter bestimmter Qualität bedeuten.

Wer diesen Gedanken eine Chance gibt, dem wird es bei den Bildern von Stella Förster vielleicht so ergehen wie dem Reisenden, der sich dem Magnetberg aus dem orientalischen Märchen nähert. Er wird angezogen, ohne ganz zu verstehen, warum. Dennoch werden wir diese Anziehung einfach hinnehmen und uns fragen: Was verleiht den Bildern diese magischen Qualitäten? Vielleicht kann man es mit einem einzigen Begriff umschreiben: Anima. 

Sie steht hier unter anderem für eine Kraft, die zusammenfasst. Zum Beispiel unsere Wahrnehmungen und Vorstellungen, die verpuffen, wenn sie zu lange unkoordiniert herumschwirren wie die Fliegen und nicht zu einer Erkenntnis verbunden werden. Mit Anima oder Seele ist also jene Energie gemeint, die eine Einheit erst ermöglicht. Seele, kann aber auch gedacht werden als etwas, dass die Natur antreibt. So verstanden hat alles Lebendige eine Seele, auch Pflanzen und Tiere. Seele, ist vielleicht das Gestaltungsprinzip eines Leibes, das sich in einem guten Kunstwerk äußert.

Die voller Paradoxien steckenden Bilder sind ganz bei sich und - viel wichtiger noch : Sie sind beseelt. Das, was wir hier Seele nennen, bleibt, so wie es Ovid beschrieben hat, immer gleich, auch wenn sich die Gestalt ändert: 

 

"Alles fließt, es bildet sich wechselnd jede Erscheinung. Selbst die Zeit, auch sie entgleitet in steter Bewegung- gleich wie der Fluß.

Denn es kann der Fluß nicht stehen, und nicht stehen die flüchtige Stunde."

 


Lorenz Liebig

Mystische Rekursion: Theorien und Systeme

"Es sind Zwischenwesen/zwischen Gegenstand und Lebewesen/korallenartige Gebilde/atomare Ketten/Konstrukte/archäologische Funde aus dem Dunkeln des Raumes/ aufgereiht in Setzkästen/ zur Schau gestellt wie Motten." Stella Förster

Durch die Adaption verschiedenster Einflüsse, ob aus Pop, Alchemie, Wissenschaft oder Religion, erzeugt Stella Förster ihre eigene Form von Ursuppe, aus der sie schöpfend die Skulpturen für ihre großflächigen Installationen schafft. Ihre Objekte bilden in ihrer installativen Inszenierung einen eigenen Kosmos, der Künstler wird zum Erschaffer und Erzeuger. Die Referenzen werden, wie sie selbst sagt "zerpflückt und neu zusammengesetzt wie Wolpertinger", in ihre kleinsten Basen zertrümmert und in ketzerischem Subjektivismus neu verkettet. Doch in dieser fremden Welt, die sich dem Betrachter offenbart, geht es nicht um Illusionismus. Immer wieder sieht man einen Alltagsgegenstand der durchbricht, wir erkennen das Bekannte im Fremden. Die Welt, die wir präsentiert bekommen, ist eine konstruierte, wie Modelle in einem Schaukasten. Heißkleber wird zum Bindemittel einer synkretisierten Wahrnemung. Damit schafft Stella Förster ein Universum, welches uns jeden Moment auf unsere eigene Brüchigkeit verweist. Sie zeigt uns, dass die Systeme, die wir benötigen um Realität zu fassen, immer nur Konstrukte sind. 

Synkretismus wird uns hier als eine starke ästhetische Entscheidung präsentiert, die es Förster erlaubt, ihre entrückten Skulpturen zu schaffen. Ihre sich kaleidoskopartig auffächernden Wunderkammern besitzen einen fast unendlich erscheinenden bizarren Überfluss. Doch bei all den magischen Verheißungen, die sie ausstrahlen, erzählen sie doch immer von der fühlbaren Nähe zum Abgrund, einem cineastisch aufgeladenen Gefühl der Bedrohlichkeit. Die zahllosen von ihr genutzten Bezüge werden in ihrer Präsentation stark symbolisch aufgeladen. Immer wieder erkennen wir unheimliche Zeichen, Anspielungen auf dunkle Gelüste, umwickelt in Stoff, verwachsen in Korallen. Trotz all der Hinweise, die der Betrachter bekommt, umgeben sich Stella Försters Arbeiten doch fest mit einem träumerischen Mantel des Mehrdeutigen, so dass der letzte Schlüssel zur Erkenntnis stets verwehrt bleibt. So verbleiben ihre Arbeiten in einem düsteren, metaphorischen Nebel, werden selbst zum Symbol für das Rätselhafte.